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UNÜBERSICHTLICHKEIT…

…ersetzt heute zunehmend den Begriff Komplexität, die viel schwieriger einzuordnen ist. Denn Komplexität zwingt uns zu akzeptieren, dass die Welt nicht rational ist und damit nicht berechenbar. Komplexität als Begriff ist per se ein Schlag ins Gesicht der Zahlen-Daten-Fakten-Verfechter, darunter Kohorten von Wissenschaftlern.

Komplexität löst Angst und Verstörung aus. Dabei können wir zuallererst genau eines tun: Unterscheiden zwischen Gefahr und Risiko. Was genau ist gefährlich, was riskant? Gefahren, das wissen wir, erfordern sofortige Reaktionen, sie lösen aus gutem Grund Fluchtgefühle, Schockstarre oder Angriffslust bei uns aus. Bei Gefahr geht es ums (Über-) Leben.

Risiken dagegen bieten Chancen. Wir fürchten meist die schwierig zu bewertenden Handlungsoptionen mit ihren verborgenen Möglichkeiten. Wenn wir Gefahren von Risiken zu unterscheiden wissen, dann entlasten wir uns und die Situation sofort. Und schon wissen wir mehr – ohne  der Komplexität ausgeliefert zu sein oder von ihr überfordert zu werden.

So geht es uns auch mit dem Winter. Eine Portion Gelassenheit und die Klarheit darüber, was am Winter tatsächlich gefährlich und was riskant ist, ermöglichen uns am Ende echten Genuss! Für Schnee allerdings sorgt diese Klarheit noch nicht.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre

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NACHRICHTEN 

AUS MEINEN ARBEITSSCHWERPUNKTEN

AUS DEM COACHING: ZU ROLLE UND RANG.
Wie Nähe/Distanz zu Klarheit führt und Beziehung gestaltet

Der Personalentwickler Schulz hat Klärungsbedarf mit der HR-Chefin Meier. Schulz berichtet an Meier und arbeitet außerdem in einem Projekt mit ihr zusammen. Manchmal verschwimmen die Grenzen, wann es um Rollengleichheit geht wie im Projekt oder aber um einen Auftrag der Führungskraft; auch ist Schulz nicht immer sicher, wann das Gespräch eher privater Natur ist. Diese Unklarheit tritt vorzugsweise rund um den Feierabend auf; dann weiß Schulz nicht genau: kann er seinen eigenen Plänen folgen und das Büro verlassen? Er will Meier nicht düpieren, hat aber keine Idee, was ihr so vorschwebt – und was tolerabel ist. Wie kann er seine Grenze sichern, ohne der Vorgesetzten auf die Füße zu treten?

Ein Gespräch bietet sich an: Was ist wichtig, wenn Schulz mit der Chefin über klarere Grenzen spricht? Meist, so meine erst einmal abstraktere Analyse, geht es um zwei Themen: Einmal ist Klarheit hinsichtlich von Rolle und Rang vonnöten, zum andern geht es um die Frage von Nähe und Distanz.

Weil in unseren Köpfen die Hierarchie immer mitläuft, lautet in beiden Fällen die Kernfrage: Wie kann ich auf Augenhöhe kommen oder sein? Viele Menschen machen sich klein bzw. überhöhen sich, um Abstand herzustellen. Wer mit Nähe und Distanz umgehen kann, der wird hier ohne Ab- oder Aufwertung zurechtkommen.

Wenn jemand einen besonderen Rang hat, etwa als Vorgesetzter, dann gibt das  Auskunft über Zugangsmöglichkeiten zu Ressourcen oder Netzwerken. Wer den Rang des anderen achtet, stellt ihn nicht über sich, sondern respektiert ihn. Damit lässt sich immer der erforderliche Abstand halten - auf Augenhöhe.

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VON DER AUTORIN: DAS NEUE BUCH.
Nicht nur ein Frauenthema: Wie schädlich Fleiß sein kann

Im Oktober 2015 kommt das neue Buch, Titel (Ende Januar): Die Fleißlüge.

Es handelt von den typischen Frauenrollen in unserer Gesellschaft:  Prinzessin, Arbeitsbiene, Heldin und Königin. Wenn Rollen enden, dann wird Identität zum spannenden Problem. Dann aber können wir wirklich auf Augenhöhe kommen; und das ist es, was mich treibt:

Wie wollen wir als Männer und Frauen die Zukunft gemeinsam gestalten, miteinander umgehen und leben? Wir wundern uns zwar über schlecht funktionierende Beziehungen zwischen den und innerhalb der Geschlechter, aber wir tun uns schwer, den Gleichwert bei aller Verschiedenheit zu erkennen, geschweige denn, ihn herzustellen.

Wenn Sie mehr über meine Arbeit als Autorin erfahren wollen und was mich in diesen Zeiten treibt, dann folgen Sie mir gern bei Facebook: https://www.facebook.com/witzer.brigitte?fref=ts

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VON DER REDNERIN:

Wann bietet sich ein Visionsprozess für eine Führungskraft oder für einen Top-Manager an? Oder gar: für Sie selbst? Die Frage habe in den letzten Monaten öfter gehört denn je zuvor. Sie war offenbar noch nie so aktuell.

Deshalb habe ich zum Thema einen Vortrag entwickelt, den ich Ende Januar zum ersten Mal bei der DGFP in Berlin vorgestellt habe. Es geht darin um die typischen Situationen von Führungskräften, in denen eine Vision  hilfreich sein kann. Am Beispiel meiner eigenen Vision wird klarer, was eine Vision ist bzw. was gerade eben nicht – es ist eben nicht der Beruf, die typische Rolle als Vater, Gatte, Aufsichtsrat und es ist auch nicht das Hobby.

Wie Sie zu Ihrer Vision kommen könnten, das beantworten unterschiedliche Experten, Weltanschauungen und psychologische Schulen mit ebenso unterschiedlichen Ansätzen. Da ist, so meine Erfahrung, für jeden etwas dabei. Vielleicht ist das auch eine Idee für Sie? Oder wissen Sie bereits, was Ihr Talent, Ihr Potenzial ist, welchen Unterschied Ihr Leben macht? Mehr von sich selbst wissen ist die Voraussetzung für mehr von sich selbst leben können.

Für die meisten Manager im Publikum waren zwei Dinge besonders relevant: zum einen, dass Führungskräfte, die über eine unternehmerische Vision führen, nahezu unwiderstehlich wirken: Sie sind attraktiv für starke, energievolle und bewusste Menschen, die wissen, wofür sie morgens aufstehen, die einen Beitrag in genau dieser Sache leisten wollen.

Gleichzeitig wurde heiß diskutiert, wie Mitarbeiter mit einer persönlichen Vision denn überhaupt noch zu beeinflussen sind – schließlich führen sich schon selbst. Was sich nachteilig anhört, kann sich, so das Fazit, als ein echtes Pfund für Unternehmen erweisen. Dann nämlich, wenn es darum geht, die überkommenen, aber immer (wenn auch unbewusst) greifenden Hierarchiegedanken aus den Köpfen aller zu verbannen.

Um Augenhöhe zu leben, und das über Generationen und Führungsebenen hinweg, ist ein Klima von Angstfreiheit und persönlichem Engagement erforderlich. Das kann eine persönliche Vision deutlich befördern. Als Unternehmen muss man sich das aber auch trauen.

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