New York und die digitale Zukunft

New York und die digitale Zukunft – unvermittelt mehr Beziehung.

Bei einer Verlegerreise nach New York in der letzten Woche die Erkenntnis: Poesie ist wesentlicher als Politik. Zentraler Unterschied: Poesie berührt.

Politik, das war Bundestagswahl, gähnende Langeweile, uninspiriert, lebensfern. Journalismus von der gleichen Art, zum Abdanken schlecht.

Und plötzlich, auf der Jagd nach den Zukunftsstrategien im Netz, schlich sich Poesie ein. Ganz konkret erlebt in einem der verschiedenen Verlage: das war etwa der Geruch des frisch gedruckten Buches, Poesie in Inhalt wie in Form eines Gedichtbandes auf hunderten von Seiten in einer schlichten Kiste, aber auch Poesie in den Geschichten von Verleger und Verlegerin. Hier gab es keine Polarität, kein Marketing, keine Werbung. Hier atmete alles Balance, Austausch. Es gab einen Raum zwischen uns allen, der war leicht und still, wohltuend still, minutenlang fast heilig im Ernst und dabei doch ganz alltäglich. Kein Priester, kein Dogma, nur Fragen, echtes Interesse.

Das eine berührt, das andere scheint unvermeidbar. Wie könnte Politik von Poesie lernen?

Funktionelle Dummheit…

… so nennt der schwedische Organisationsforscher Alvesson die Abschaltung von Kritik- und Reflexionsfähigkeit bei an sich gebildeten Menschen in Unternehmen. Was ist darunter zu verstehen? Zunächst die Weigerung, Prozesse intellektuell zu durchdringen, dann auch der Verzicht auf ein eigenes Urteil, insgesamt eine positiv auf das Produkt gerichtete Kurzsichtigkeit. Welche Produkte und welche Branchen trifft das besonders?  Alle Bereiche, in denen Marken und (andere)  immaterielle Leistungen verkauft werden, in denen mit Geschichten und Symbolen gehandelt wird: Beratung also, aber auch Medien, Mode…

Gut für die Unternehmen, denn dort, so Alvesson, führt funktionelle Dummheit zur Steigerung der Produktivität und ist deshalb erwünscht.  (Management Studies bei Wiley, Link: doi.org/kcv) Vielen Dank auch!

 

Hilfskonstruktion ohne Grundlage

Was dem System dient
oder gut ist für den Konzern,
das hilft den Menschen.

 

Statuskrankheit

Dezember 2012

Wenn ich das Objekt
hab, dann hat das Objekt mich.
Ich hab statt ich bin.

 

Konsumsucht II

Dezember 2012

Reichtum als Haltung:
Fülle sehen, hinschauen.
Rolex kann schließen.

 

Realitätssinn

„Heute esse ich vegetarisch. Vorgabe vom Chef. Der ist jetzt Buddhist.“ Der Wolf manikürt sich weiter die Fingernägel mit einer Schere. „Du musst also keine Angst haben.“ Das Schaf trottet weiter.

„Heute esse ich nur Grünes“, der Wolf kneift die Augen zusammen und betrachtet das Schaf nachdenklich, „also geh nur wieder. Der Boss trifft jetzt seine Entscheidungen für uns alle nach dem Farbfächer.“

Der Wolf rückt dem Schaf begehrlich auf den Pelz. „Lass Dich noch ein wenig riechen, hm, ja, ansehen, oh, ja…..! Du ahnst es nicht: Heute hatte der Chef ein Tarotspiel dabei. Gezogen hat er die XIII, Einsiedler, Askese.“ Er beisst die Zähne zusammen. „Also, schon wieder kein Fleisch.“

Am nächsten Tag bleibt das Schaf zuhause.

 

Personalauswahl

„Ich habe drei diplomierte Schafe gesehen, ohne jede Persönlichkeit.“ Der ältere Wolf packt seine Unterlagen und macht sich fertig zum Gehen.

„Nun ja, aber sie hatten doch ausgezeichnete Noten.“ Der mittlere Wolf ist unentschieden.

„Ja, und eines spielte sogar sieben Monate Basketball. Man stelle sich das vor: Ein Schaf! Basketball! Das hat doch sicher Top-Team-Qualitäten.“ Der jüngste Wolf bleibt beharrlich sitzen.

„Mag sein.“ Der ältere öffnet die Türe. „Vielleicht schmeckt es dann etwas weniger nach Papier als die anderen und dafür etwas mehr nach Leder.“