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RisikoBRIEFing 4/2018

 

Begriffe versenken

…gehörte 1968 zu den probaten Mitteln, um alte Zöpfe und patriarchale Muster aus Sprache und damit aus dem Denken herauszukatapultieren. Heute, mit der feministischen Sprachforschung, wissen wir alle mehr oder weniger bewusst: Frauensprache definiert sich über Verben und ist von daher eher eine Sprache der Veränderung. Männer- und also Wirtschafts- oder Wissenschaftssprache steht mit dem Substantiv in enger Beziehung – so schaffen sich Fakten.

Doch ob Verb oder Substantiv, manchmal ist es einfach erforderlich, nicht nur einen Begriff zu versenken, sondern eine differenzierte Faktenlage auch mit einem Begriff auszudrücken. Ganz konkret war mir im Coaching aufgefallen, dass der Begriff Augenhöhe unscharf ist und von jeder Führungskraft unbedingt und sofort bejaht werden kann. Dabei ist mein Erleben von Augenhöhe sehr präzise und bedeutet über menschenfreundlichen Umgang hinaus eine reflektierte Haltung.

Eine solche reflektierte Augenhöhe heißt, unvoreingenommen gegenüber einer anderen Person zu sein und dem im Dialog und in der Interaktion gerecht werden zu können. Die meisten Augenhöhe-Versuche sind zwar auf Handschlag, möglicherweise auf ein professionelles Du ausgerichtet, zeugen aber damit nicht immer von Wertschätzung und Respekt.

Wie also Führung auf Augenhöhe präziser formulieren, ohne gleich wieder ins Schwurbeln zu geraten oder in die Buzz-Word-Produktionsmaschinerie? Genaues Hinschauen und Zuhören sind erforderlich und wie stets hilfreich: Woran genau erkenne ich die Führungskraft, die den anderen einbezieht, die zuhört, empathisch reagiert und sich auch selbst angemessen in den eigenen Gefühlen von Zorn, Freude, Ärger ausdrücken kann?

Wie sage ich es so, ohne dass gedankliche Automatismen angekurbelt werden und jeder nicken kann? Scharfe und differenzierte Begriffe – danach steht mir hier der Sinn. Nehmen wir das Wort Empathie, das jeder schnell für sich in Anspruch nimmt.  Doch wenn es drauf ankommt, etwa in einer Gesprächssituation mit Konfliktcharakter – wer ist dann fähig, sich empathisch zu zeigen und zugleich seine eigene Klarheit zu behalten?

Nicht trivial, die Sache. Ich knabbere weiter an schönen neuen Begriffen und bleibe, selbstverständlich, im Neuerfinden so sparsam wie möglich. Die Fahndung nach guten Vorschlägen und klugen Lösungen macht mir Freude und scheint zugleich unumgänglich, wenn wir uns nicht in Allgemeinplätzen verlieren wollen. Dabei hilft die Veränderungsenergie, die der Mai so leichter Hand in der Gegend verteilt und die uns allen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich!

Ihre

PS: Das neue Buch ist da. Ich freue mich, dass „Glück Sucht Leben“ ausgeliefert ist. Bitte nehmen Sie mein neuestes „Kind“ freundlich auf!

Nachrichten aus dem „Popup-Atelier“:

Der gelbe Gesang, 210 cm x 230 cm, gedruckt, Acryl auf Kraftpapier

 

WEITERBILDUNG FÜR EXECUTIVE COACHES
Nachfrage vorhanden, Angebot in Arbeit

Die Weiterbildung für Führungskräfte „Bausteine für Leadership“ läuft, der erste Baustein ist fast abgeschlossen. Hier geht es um eine coachende Haltung und um die Fähigkeit, sich und andere zu führen. Dabei ist mir klar geworden, wie wirkmächtig die Kenntnis dieser Leadership-Mechanismen gerade für Executive Coaches ist.

Ich spreche von so relevanten Fähigkeiten wie

• Umgang mit Rang und Rolle
Wie Ordnung herstellen oder Veränderung ermöglichen, wenn doch eigentlich alle gleich sein sollten und es nicht sind?

• Doppelte Präsenz
Das Zuhören sowie dialogisch Arbeiten aus der Bereitschaft heraus, ganz bei sich und zugleich beim anderen zu sein.

• Anerkennen, was ist.
Wie sich verhalten im irrationalen Moment der Gegenwart? Wie coachen, wenn unbewusste Verhaltensmuster die Oberhand gewinnen?

Ganz konkret höre ich in Supervisionen und Rücksprachen immer wieder die Frage nach Tools, die für schwierige Situationen das Gefühl von Sicherheit verleihen. Doch wir alle wissen: Tools führen im Zweifelsfalle nur zu Tooligans. Natürlich geht es auch um Tools.

Doch viel mehr geht es um aktivierte Fähigkeiten der Reflexion, um mit sich und anderen im Kontext von Wirtschaft, in Unternehmen und Konzern, umzugehen. Das heißt, Verantwortung für sich und für die Beziehung zu einer starken Persönlichkeit, nämlich der Top-Führungskraft, zu übernehmen. Und das in gutem Flow, in Leichtigkeit und (vielleicht) in Eleganz.

Um es ganz deutlich zu sagen: Executive Coaching zielt auf Repertoire-Erweiterung, auf Reifung und auf Verhaltensoptionen, die aus reflektierten Haltungen entstehen. Coach sein erfordert es in diesem Prozess, emotional-energetisch die Beziehung zum Coachee zu gestalten und hier den Raum zu schaffen, in dem Veränderung möglich wird.

Wenn Sie interessiert an einem solchen Programm sind, melden Sie sich bitte. Ich setze im Herbst einen Prototypen auf und freue mich über Pionier*innen mit klarem Blick und dem deutlich formulierten Bedürfnis der eigenen Entwicklung.Die grobe Leitlinie heißt: 6-10 Teilnehmer*innen, 22 Tage ab Oktober innerhalb eines Jahres in Prozessen, die Raum für die Beziehung zu sich und zum Coachee geben. Kosten je Tag etwa 500 € zzgl. MWSt., also etwa 11.000 €.