Kopfzeile

RisikoBRIEFing 6/2017

 

Überanpassung ohne Not…

…oder kluge Einsicht? Das ist immer wieder die Frage, wenn ich mit berufstätigen Frauen über Spielregeln in der Wirtschaft spreche. Frauen empören sich darüber, dass sie im Arbeitsleben mit Fleiß sowie anderen ihnen vertrauten und erprobten Methoden nicht weiterkommen. Gleichzeitig weigern sie sich, das Spiel der Männer mitzumachen.

Das scheint mir keine feministische Position zu sein, sondern zeigt zweierlei: Einmal ein starrsinniges Beharren auf den erlernten und bisher durchaus erfolgreichen eigenen Strategien, aber zum anderen und mehr noch, eine Überhöhung dieser Strategien als „die besseren“. Klar, die meisten Frauen haben diese Basics von ihren Müttern mehr unbewusst als sehenden Auges übernommen. Und der Bezug auf die Mütter-Generation macht deutlich: Es geht fast immer um Strategien, die in der Familie und beim Halten eines Ehemannes als finanziellem Versorger ausgesprochen hilfreich sind.

Wenn es dann um Erfolg im Beruf geht, sind diese Verhaltensweisen plötzlich nicht mehr wirksam. War es in der Familie gut, dem Kind mit dem aufgeschrammten Knie sofort ein Pflaster zu verpassen, ungeachtet seines Rangs in der Geschwisterfolge, ist es in der Wirtschaft opportun, sich danach zu richten, was der erste in der Rangordnung sich vorstellt.

Ähnliches gilt für Inhalte. Sie sind wirklich wichtig, vor allem im Haushalt: Was wäre eine Mahlzeit, die nur auf einer Menükarte zu lesen ist? Im Topf muss etwas drin sein, punktum. Ganz anders im Arbeitsleben: Frauen engagieren sich auch hier für Inhalte. Die Macht liegt aber in der Strategie, so dass Inhalte sich auch schnell gegen andere austauschen lassen. Und die Folge? Frauen werten strategisch handelnde Männer deswegen ab und verfechten beharrlich weiter ihre Inhalte.

Lassen Sie mich es so sagen: Wer mit Halma-Regeln bei Monopoly reüssieren will, hat ein Problem und kommt niemals zu einem Hotel auf der Schlossallee. Es geht also gar nicht anders, als sich den angemessenen Regeln zuzuwenden. Aber nicht „entweder oder“ ist das Gebot der Stunde, sondern Integration – „sowohl als auch"!

Frau- und Mannsein im Arbeitsleben könnte eine Transformation zu mehr Bewusstheit und Verantwortung bedeuten - nicht mehr, nicht weniger. Bewusstheit in dem, was wir tun, das scheint die große Chance für einen anderen Umgang mit Arbeit: Nur so lässt sich Verantwortung übernehmen, nur so kommen wir raus aus den zumeist unbewussten Täter-Opfer-Dynamiken.

Vielleicht erlaubt Ihnen der Sommerurlaub ja, sich mit dem Thema „Integration“ noch einmal entspannt zu befassen. In diesem Sinne verbleibe ich wie stets

mit den besten Grüßen

Ihre

---

KONZENTRATION AUF PROBLEME?
Wie sich Akzeptanz im Alltag bewährt.

 

Ich habe mein Schlafzimmer innerhalb meiner großzügigen Berliner Altbauwohnung verlegt – der neue Raum ist besser geschnitten und insgesamt stiller, hat eine gute Energie. Doch schon in der ersten Nacht stand ich senkrecht in meinem Bett: Irgendwas verursachte einen solchen durchdringenden Lärm, und das kurzfristig, dass ich aus dem Tiefschlaf hochgeschreckt war.

In den folgenden Tagen recherchierte ich nach den Ursachen. Mögliche Optionen waren a. eine Schlafcouch im oberen Geschoss, die immer nachts ausgeklappt wird und Öl benötigt, und b. der Lift, der außen am Zimmer vorbei durchs Haus rumpelt. Ich besuchte die Damen, die über mir wohnen. Leider, Fehlanzeige, keine Schlafcouch, noch nicht einmal ein Gästezimmer – mein Verdacht erwies sich als grundlos.

Wie sah es mit Lösung b aus? Eine Testfahrt mit dem Aufzug: Ja, er war laut, vor allem, wenn er aus dem vierten Stock auf Höhe meiner Wohnung im ersten Stock abgebremst wurde. Ich wendete mich an die Hausverwaltung. Dort erfuhr ich, ja, es könnte sein. Aber der Lift wäre so wie er ist, alt, denkmalgeschützt, und immerhin doch nur selten nachts genutzt. Ich möge mich gewöhnen.

Das Überraschende: Ich gewöhnte mich. Schon in der ersten Nacht nach dieser ultimativen Auskunft hörte ich nichts mehr, schreckte nicht mehr hoch, schlief ruhig. Etwa eine Woche später fiel mir der Umstand auf. Was bedeutete das? Liebte ich meine Probleme, weil mir deren Lösung Beschäftigung boten?

War ich eigentlich gezwungen, sie als Probleme zu definieren? Aber nicht nur beim Wohnen geht es uns so: Auch im sonstigen Leben machen wir oft die Erfahrung, dass hilfreich sein kann, Alltagsprobleme zu akzeptieren, bevor wir Kraft für deren Lösung aufwenden.  Wir dürfen auf das Hobby „Probleme lösen“ verzichten. Was noch?

Wie auch immer Sie es mit Problemen halten, ich bin quasi befriedet. Mehr dazu lesen Sie auch auf meiner Website, unter Haltung: Link.