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RisikoBRIEFing 3/2017

 

Was wirklich wichtig ist…

 …kläre ich persönlich. Das gilt auch für mein Handeln als Unternehmerin. Wird dieses Verhalten heute vielen Menschen eher fremd? In Zeiten, in denen nicht nur junge Leute ihre Freundschaften und auch Liebesbeziehungen per WhatsApp oder SMS beenden, wird da das persönliche Engagement zum Sonderfall?

Eine Beziehung, auch eine kurze, hat gleich in welchem Kontext doch immer Relevanz für beide Seiten. Auch im Unternehmen geht es um Vertrauen und Persönlichkeit; gerade daran misst sich der Erfolg gemeinsamer Arbeit. Doch da, wo der Algorithmus dominiert, sind Beziehungen irrelevant.

So erklären sich Hass-Mails und wilde Angriffe im Netz. Wird stattdessen der neue beste Freund derjenige, der beim digitalen „Freundes-Casting“ den Wettbewerb gewinnt, mit dem schärfsten Facebook-Foto, dem coolsten Outfit, dem abgedrehtesten Tattoo?

Denken wir dreißig Jahre zurück, dann lauteten so ähnlich die Vorschläge der Elterngeneration für die Freundschaften ihrer Sprösslinge. „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern…“ Das hatte nichts zu tun mit Zuwendung, Verständnis und dem allerwichtigsten: dem guten Gefühl für sich und den anderen.

Wer emotional eingebunden ist, lässt sich der durch „digitale Performance“ blenden, kann der privat wie im Beruf zum leichtfertigen „Schlussmacher“ werden? Mit dieser Frage wünsche ich Ihnen einen guten Start in den Frühling – mögen sich all die Hoffnungen, die wir mit ihm verbinden, auch in diesem Jahr wieder in besonderer Weise erfüllen!

Mit besten Grüßen

Ihre

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ZUM EQUAL PAY DAY:

SCHWÄCHEN FRAUEN FRAUEN?

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Königin als wünschenswerte, erwachsene Haltung für Frauen scheint mir nach wie vor erstrebenswert, um in ein faires Miteinander auf Augenhöhe zu kommen. Das meine ich im doppelten Sinne: Einmal geht es mir darum, ein faires Miteinander mit anderen Frauen zu ermöglichen.

Das erlebe ich in meinem Coaching-Alltag sehr selten. Hier sorgen viele Frauen nach meiner Erfahrung immer noch dafür, dass sie „die Allerschönsten im Lande sind“, also für eine singuläre, isolierte und darum gut sichtbare Einzelexistenz. Typisch Prinzessin eben. Solange das unbewusst bleibt, sind Frauen mit allen anderen Frauen im Wettbewerb und auch nicht in Kooperation mit Männern.

Deshalb sind Netzwerke von Frauen immer schwierig: Loyalität mit anderen Frauen und Stärkung anderer Frauen werden zwar geredet, aber oft nicht gelebt. Frauen-Netzwerke wollen deshalb „doppelt geknotet“ werden. Die Zusage allein reicht nicht, es lässt sich nur am tatsächlichen Handeln erkennen, ob das Netz trägt. Das führt auch in Netzwerken immer wieder dazu, dass Frauen andere Frauen schlecht bezahlen – in welchem Männernetzwerk käme so etwas jemals vor?

Damit schwächen Frauen unbewusst andere Frauen. Und damit bin ich bei der zweiten Ebene, auf der die Königinnen-Haltung Wunder bewirken könnte: Frauen stärken immer wieder Männer, auch wenn diese sich für die Interessen der Frau nicht einsetzen. Da wird für den tollen Vorgesetzten interveniert, der die so engagierte Frau dann auch gern im Gefolge hat  – Kolleginnen werden dabei selten mitgenommen. Auch andere Frauen mit hochwertigen Dienstleistungen geraten schnell aus dem Blick, zugunsten von Männern mit einem beliebigen Angebot.

Frauen gehören mit in die Reihe der Verhinderer von „equal pay“. Vergessen wir nicht, dass Wirtschaft ein Jahrhunderte altes Spiel ist und dass der männliche Gewinner stets reiche Beute heimführt. Der Blick der Frauen kommt immer noch meist von unten. Wie ein Prinz wird der tolle Chef angehimmelt.

Die herrschenden Klischees wirken stark. Und sie werden nicht dadurch unwirksam, dass wir sie ignorieren. Die Frauenbewegung war einseitig auf die Dominanz  der Frauen aus statt auf Entwicklung und Kooperation; sie hat nicht den Schalter ein für allemal auf „Augenhöhe“ umgelegt. Bleiben wir also im Prozess, stärken wir reflektierte Männer ebenso wie Frauen, die sich der Klischees bewusst sind.

Wenn Sie damit etwas anfangen können, lesen SIe mehr in meinem aktuellen Buch: Die Fleißlüge

PS1: Die Präsentations- wie auch die Postkarten-Motive hat Sandra Fink, Berlin und Leipzig, für mich entwickelt.

PS2: Allen, die an ein Leben ohne Fleiß glauben und etwas ändern wollen, empfehle ich ein Executive Coaching.