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RisikoBRIEFing 1/2016


FLEISS ist überbewertet...

 

…gerade in Zeiten, in denen Personalverantwortliche aus Konzernen öffentlich dazu aufrufen, dass sich Arbeitssüchtige bei Ihnen melden mögen. Arbeitssucht wird hier von einigen Profis verwechselt mit einem beständigen, klugen und zuverlässigen Einsatz - die Unfähigkeit zum Leben ohne Arbeit wird gleichgesetzt mit der totalen Leistungsfähigkeit im Job.

Doch stimmt das? Arbeitssucht führt gern sehr zügig in einen Burnout, aber keineswegs zur besonders kreativen oder nachhaltigen Lösung von Aufgaben. Der genauere Blick macht klar: Wer süchtig ist nach Arbeit, der betäubt sich, seine Sorgen, seine Bedürfnisse mit einem Zuviel an diesem „besonderen Stoff“  – das bedeutet lange nicht, dass hier Arbeit gern erledigt wird oder gar zu großer Leistung beflügelt. Ganz im Gegenteil, der Arbeitssüchtige sucht (sic!) die eigenen Gefühle, die innere Befindlichkeit und oft genug seine eigene Not durch permanente Leistungspräsentation zu kompensieren. Sucht ist immer ein Hinweis auf einen Mangel.

In einem sind sich Arbeitssucht und Fleiß ähnlich: Beide Verhaltensmuster führen von den Bedürfnissen der Beteiligten weg. Im Falle des Fleißes geht es im Allgemeinen darum, Routine-Aufgaben zu bewältigen – Putzen, Waschen, Bügeln etwa im Haushalt, im Unternehmen analog dazu Post, Ablage und Protokolle. Fleiß lässt uns Dinge wegarbeiten.

Fleiß wird in Zukunft überfällig: Alle Fleißaufgaben werden als nächstes ausgelagert und an Roboter und Maschinen gehen. Insofern freue ich mich auf eine weitere Technisierung der Arbeitswelt und bin einmal d’accord mit den Vorhersagen des Weltwirtschaftsforums in Davos. Der Auftrag für uns Menschen heißt: Mit offenen Sinnen unsere Arbeit lebenswert gestalten!

Vielleicht haben Sie Zeit für entsprechende Fantasien vorm Kamin? Ich wünsche Ihnen jedenfalls damit einen schönen Winter!

Mit besten Grüßen
Ihre

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WIE  FAULHEIT SIEGEN  KÖNNTE
Zum Interview im Handelsblatt vom 22.1.16

Das war eine echte Überraschung! Auf der Seite 1 der Wochenendausgabe des Handelsblatts schon ein erster Hinweis auf das Interview mit mir – sehr fein positioniert unter einem Cartoon mit Matthias Müller von VW, der sich mit einem Käfer abmüht. Müller ist gerade fleißig dabei, seine Karriere zu ruinieren – das suggeriert die Positionierung. Ganz schön frech!

 

Vielen Dank, liebes Handelsblatt! Auch für die Provokation, denn Faulheit ist in Deutschland (noch) ein Tabu und Fleiß wird sehr überhöht. Anders gefragt: Wer will schon gern als faul gelten? Dabei verstehe ich unter faul weder „träge“ noch „desinteressiert“, sondern die Fähigkeit, sich unnötige Arbeiten vom Leibe halten zu können.

 

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