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RisikoBRIEFing 5/2015


DIGITAL NATIVES...

…werden in unserer Gesellschaft per se für technikaffiner gehalten als die „digitalen Immigranten“. Letztere sind die Menschen, die noch ohne Smartphone, PC und Handy aufgewachsen sind – die meisten dürften vor 1980 geboren sein.

Woher kommt die hohe Wertschätzung oder besser: der große Respekt vor den „digitalen Ureinwohnern“, wie sie meist etwas holprig eingedeutscht werden? Nach meiner Beobachtung lösen zwei Verhaltensweisen das generelle Faszinosum aus: zum einen die beneidenswerte Fähigkeit, spontan und adhoc zu schnellen Ergebnissen zu kommen, zum anderen die fröhliche Bereitschaft, sich direkt und ohne Berührungsängste auf das Angebotene einzulassen. Beides ist dem Umgang mit digitalen Endgeräten sehr zuträglich.

In der Sekunde Ergebnisse aufzurufen - das wird oft mit Entscheidungsfreude verwechselt. Diese findet sich vor allem bei Menschen, die sich auf ihre Intuition und ihr Erfahrungswissen verlassen und zu bewusster Klarheit fähig sind. Natürlich kann dieses Erfahrungswissen durchaus da im Wege stehen, wo es um die berühmte Testkultur der Unerschrockenheit geht. Erfahrene Menschen, die Logik, Systematik oder bekannte Muster erwarten, sind nicht leicht für „Trial and Error“ zu haben.

Was also tun? Genießen Sie die Entwicklung und den Nutzen eigener Erfahrungen! So gewinnen Sie an Tempo und an Klarheit. Unerschrocken dürfen, ja, müssen vor allem die sein, die sich ihrer Erfahrungswerte nicht bewusst sind. In diesem Sinne, einen schönen Herbst!

Mit besten Grüßen
Ihre

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Themen

MIELE - NICHT NUR FÜR FRAUEN:
Wie die Fleißlüge sich mit „Flying Toast Hawai“ arrangierte

GERADE FÜR FRAUEN - IN DER COSMOPOLITAN:
Wenn Schönheit allein nicht zum Erfolg führt…

ANALOG LEBEN, DIGITAL ARBEITEN?
Vom Umgang der Technik mit den Menschen

 

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MIELE - NICHT NUR FÜR FRAUEN: Wie die Fleißlüge sich mit „Flying Toast Hawai“ arrangierte

Die Book-Release-Party für mein neues Buch „Die Fleißlüge“ fand am 7. Oktober in der MIELE gallery Unter den Linden in Berlin statt – eine riesengroße Küchenparty, stilvoll und im Geist der 1960er und 1970er Jahre mit Flying Toast Hawai, Käseigel und mit Bowle. Ein langes Video gibt die gute Energie des Abends wieder:

https://www.youtube.com/watch?v=HpGV03a0tKs

Ein kurzes Video finden Sie hier, mit etwa 3 Minuten:

https://www.youtube.com/watch?v=fymCFyLRsyM

Zentrale Programmpunkte: ein Dialog zwischen Bettina Traub, Programmchefin des Ariston-Verlags, und Autorin sowie anschließend Improvisationstheater vom Feinsten mit den Schauspielerinnen Beate Fischer und Jana Kozewa von Theatersport Berlin. Im Mittelpunkt: Natürlich der Fleiß, auch bei Brecht und Botho Strauß...

Eine kleine Auswahl Fotos findet sich hier im Newsletter; hier Brigitte Witzer (Mitte) zwischen Eve Berns (links) und Marita Bürger (rechts). Folgendes Bild: Die Ladies von Theater Sport, Beate Fischer (links) und Jana Kozewa, erläutern ihr Konzept. Und ganz unten: Bettina Traub (rechts) mit Brigitte Witzer im Dialog.

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GERADE FÜR FRAUEN - IN DER COSMOPOLITAN: Wenn Schönheit allein nicht zum Erfolg führt…

 

Eine These der Fleißlüge lautet: „Frauen wollen mit genau den gleichen Tugenden im Beruf erfolgreich sein wie schon ihre Mütter und Großmütter in Haus und Hof. Doch das Berufsleben ist ein Spiel mit eigenen Regeln, die oft genug unbekannt und nicht thematisiert sind.“ Über nicht nur diese These hatte ich mit Svenja Lassen, COSMOPOLITAN-Redakteurin, ausführlich gesprochen.

Ihr persönlich, so schien es mir, liegt besonders am Kapitel zur „eigenen Identität“ und der Hoffnung, die dieses Konzept für ein gutes Frauenleben bereithält. Jetzt hat sie  eine richtig umfangreiche Geschichte zum Buch gemacht, siehe aktuelles Heft 11/2015, also in der Ausgabe für November. Ich freue mich darüber und grüße herzlich in die Redaktion!

Mit Schönheit und Fleiß haben unsere Mütter und Großmütter Ehemänner „mit Potenzial“ eingefangen und sich dem Haushalt gestellt – die wenigsten Frauen haben hier tatsächlich echte Talente. Oder haben Sie schon mal etwas vom Staubputz-Talent gehört? Oder der Bügelbegabung? Dass alle Frauen Organisationstalent haben, das halte ich angesichts der mich umgebenden Frauen ebenfalls für eine lustige Idee, aber keineswegs für gesichert.

Meine Erfahrung: Der Haushalt liefert Anlass für viele Mythen, aber wenig Spielraum für das eigene Potenzial.

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ANALOG LEBEN, DIGITAL ARBEITEN?
Vom Umgang der Technik mit den Menschen

 

Das Thema der „digitalen Ureinwohner“ klang ja schon an. Zu was genau führt ein solcher Begriff? Beispielsweise dazu, dass ältere Menschen davon ausgehen, dass jüngere, die „digital natives“ eben, beispielsweise komplexe Anwendungssoftware problemlos bedienen können. Großer Irrtum! Ich spreche von WORD oder von EXCEL, um zwei gängige und im privaten wie beruflichen Alltag selbstverständlich genutzte Pakete zu benennen.

Möglicherweise gehen viele junge Leute tatsächlich unerschrocken an die in der Software versteckten Leistungspakete heran. Aber wer nicht weiß, was etwa ein Tabulator ist, der muss alle Einrückungen mit Leerzeichen auffüllen. Wem die  Silbentrenn­funktion unbekannt ist, der erzeugt wohl oder übel grauenhaften Blocksatz. Gleiches gilt für den Nutzen von Formatvorlagen, automatischen Fußnoten oder elektronisch erzeugten Inhaltsverzeichnissen.

Gerade der Leistungsumfang von Software erfordert Kenntnis, Lernen und Erfahrungen; er lässt sich über Versuch und Irrtum nicht aufbrechen. Und je ausgefeilter die Software, desto schlimmer wird es: Jede neue Fassung erfordert eine neue Einsicht, ein etwas modifiziertes Herangehen, die Bereitschaft, einen anderen Zugang zu akzeptieren. Stellen Sie sich nur einmal vor, die Software, die Chirurgen Operationen am offenen Herzen erleichtert, würde solche Effekte erzeugen!

Damit sind zwei Dinge völlig klar: Erstens wird Software, die unter Laborbedingungen erzeugt wurde,  niemals die Anwender da erreichen, wo diese wirklich stehen. Und zweitens erweisen sich digitale Ureinwohner im Umgang mit komplexer Software gerade aufgrund fehlender Erfahrungen und fehlender Kenntnisse sofort und umstandslos als „digital naiv“.

 

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